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Die Nachbauten

Das Boot, das man anfangs wegen seiner einfachen Formen herablassend belächelt hatte, war innerhalb weniger Jahre zum Inbegriff des preiswerten, kleinen, aber seetüchtigen Fahrtenschiffes geworden. Sein internationaler Erfolg und seine überdurchschnittlichen Qualitäten führten dazu, daß ab den 50er Jahren in allen westlichen Segelnationen, einschließlich Polen und der DDR, eine große Zahl mehr oder weniger exakte Plagiate des Volksbootes in Serie gingen. Die große Zahl seiner Kopien sind der beste Beleg für die universellen Qualitäten der skandinavischen Einheitsklasse.

Aus den guten Erfahrungen, die die Skandinavischen Segler mit ihrem Folkeboot und dem Drachen gemacht hatten, ging das Knarr-Boot (L. 9,25 m, LWL 6,20 m, B. 2,12 m, Segelfl. 22,50 m², Verdr. 2,5 t) als Synthese aus beiden Klassen hervor. Der von Ing. Erling L. Kristofersen konstruierte Bootstyp wurde 1955 vom Skandinavischen Seglerverband als Einheitsklasse angenommen.

Außerhalb Skandinaviens wurden die Nachbauten, dem jeweiligen Landesgeschmack entsprechend, zumeist kraweel gebaut. Vergleiche ergaben jedoch eindeutig, daß geklinkerte Rümpfe, obwohl diese durch die Stufung der Außenhaut eine deutlich größere benetzte Oberfläche besitzen, schneller laufen als glatte. Man vermutet, daß kleine Luftbläschen in den Plankenabstufungen den Reibungswiderstand des Rumpfes herabsetzen. Eine andere Theorie besagt, daß die Stufen der Plankengänge den Wasserablauf geradlinig ausrichten und ihn hierdurch günstig beeinflussen. Eine weitere Theorie vermutet, die Verwirbelungen an den Plankenkanten gäben dem Boot zusätzlichen Auf- und somit auch Vortrieb. Welche von diesen theoretischen Überlegungen letztendlich recht behält, weiß Rasmus nur allein.

Die unzähligen Folkebootimitationen waren zumeist komfortabler ausgestattet als das schlichte Einheitsboot. Innenbordmotor, Eisbox, separater Toilettenraum, Stehhöhe und andere Annehmlichkeiten hoben zwar den Wohnkomfort, drückten das Schiff jedoch tiefer in sein Element. Der Preis für den gesteigerten Luxus innen, waren häufig mehr oder weniger klobige Aufbauten und unförmige Doghouses über Deck, die den Schiffen jede Ähnlichkeit mit dem nordischen Original und die zweckmäßige Anmut eines seetüchtigen Fahrtenschiffes nahmen.

Auf der Per Kjølsen-Werft in Vollerød/DK entstand Ende der 50er Jahre nach Folkebootriß der '24m²-Sundkreuzer'. Er war kraweel beplankt und man hatte dem Folkerumpf ein Yachtheck angeformt das das Schiff auf insgesamt 8,42 m Länge brachte. Ein Deckshaus brachte Stehhöhe unter Deck.

In den USA wurde das Folkeboot unter anderen von B. Walton für den amerikanischen Markt modifiziert. Er verlängerte den Kajütaufbau bis vor den Mast, gab dem Boot ein großes Vorluk, eine kleine Pantry, separate Toilette und natürlich die in den USA obligatorische Eisbox für die kühlenden Eiswürfel im Nationalgetränk. Das Cockpit wurde selbstlenzend ausgeführt. Dies Schiff war mit und ohne 6 PS Einbaudiesel zu haben.

Auf der britischen Insel wurde die schlichte Folkebootschale zu einem komfortablen Cruiser-Racer umgestaltet. Der britische Kreuzerrumpf war mit 15 mm Mahagoniplanken in Klinkerbauweise gebaut. Die Aufbauten - sie waren formverleimt und mit großen umlaufenden Fenstern versehen - wurden nach vorne deutlich verlängert. Achtern erhielt das 'British Folkboat' ein selbstlenzendes Cockpit. Vier 1,90 m lange Kojen, ausreichend große Wasser- und Treibstofftanks, Kleiderschrank, transportabler Tisch und Mittelpantry mit zweiflammigem Kocher vervollständigten den Fahrtenkomfort auf kleinstem Raum. Der Mast erhielt bei dieser Version seinem Platz auf dem Kajütdach und wurde durch ein Trennschott, das Vor- und Achterschiff unterteilte, gestützt. Trotz des zusätzlichen 6PS Einbaudiesels entsprach das Boot in Rumpf und Segelfläche exakt den vorgegebenen Folkebootmaßen und -gewichten. Die britische Version wurde auch von einer polnischen Werft in großen Stückzahlen gebaut.

1964 zeigte die Potsdamer Buchholz-Werft ihren 'Seekreuzer nach Volksbootriß' zum ersten Mal im Westen. Bei sechs Meter Wasserlinie hatte man in dem kraweel gebauten Schiff großem Aufbau vier Kojen plus Hundekoje, Innenborder, Toilette, ein selbstlenzendes Cockpit und vorne auf Deck einen kleinen Bugkorb untergebracht. Das komplette Schiff sollte ab DM 19.400 kosten. Es lehrte die westdeutschen Werften das Fürchten, denn, so hieß es: "gegen den Preis der VEB-Werft kann niemand konkurrieren."

In Hongkong baute die Cheoy-Lee-Shipyard das Folkeboot mit einer großen Kajüte für Regatten unter der Midget Ocean Racing Club Rule.

Tord Sunden, der sich als Zeichner des Nordischen Folkebootes von dem Skandinavischen Seglerverband übervorteilt fühlte, brachte 1966 als Konkurrenz zum 'Nordischen' das kraweel gebaute 'Internationale Folkeboot' auf den Markt. Das Boot war eine Weiterentwicklung des Nordischen Folkebootes. Die neue Sundén-Konstruktion entsprach weitgehend dem Original, hatte jedoch einen unterteilten Lateralplan, sie bot mehr Komfort unter Deck und hatte ein selbstlenzendes Cockpit. Die zu irreführende Bezeichnung 'Internationales Folkeboot' wurde Sundén jedoch gerichtlich untersagt. Heute nennt sich die Klasse schlicht 'IF-Boot' und ist mit über 4000 Einheiten die größte Kielboot-Regattaklasse weltweit.

In Dänemark entstand 1994 schließlich eine F-Boot Version ohne Kajüte. Diese Boote besaßen lediglich eine kleine Kammer unterhalb des Vordecks. Sie konnte als Stauraum für Rettungswesten und Segelsäcke dienen. Darüber hinaus hatte man am äußeren Erscheinungsbild des Folkebootes nichts geändert. Das offene Boot dient überwiegend für Schulungszwecke.

In der Schweiz nahm sich u.a. die am Bodensee ansässige Stäheli-Werft des Folkebootrisses an. In den Niederlanden wurde das Folkeboot für RORC-Regatten modifiziert.

 


Dänische Volksboote, 1956, während einer Regatta in Schweden.

 


Kielschwert-Volksboot aus Großbritannien. Diese Kraweel-Konstruktion mit Folkebootlinien belegte bei einem englischen "Billig-Boot"-Konstrukteur-Wettbewerb den zweiten Platz. Das Boot wurde auch in Knickspantversion zum Bau empfohlen.

 


Der 24m²-Sundkreuzer - ein Folkebootrumpf mit Yachtheck

 


Riss des IF-Bootes, designt von Tord Sunden, 1966

 


Die englische Selbstbau-Version nach Folkebootriss mit vergrößerter Kajüte

 


Der Riss des russischen Folkebootes

 


Dänische Folkebootversion ohne Kajüte

 


1964 werden auf der Hamburger Bootsaustellung zum ersten mal Boote aus der sowjetisch besetzten Zone gezeigt. Gegen die niedrigen Preise der DDR-Werften kommte der westliche Bootsbau nicht konkurrieren. Der preisgünstige Folkebootverschnitt der Potsdamer Buchholz-Werft hatte vier Kojen plus Hundekoje und war auf Wunsch mit Hilfsmotor und einer Toilette zu haben

 


Die Folkebootversion der schweizer Stähli-Werft bietet viel Wohnraum unter einem überdimensionierten Deckshaus

 


Der Riss des Sundkreuzers


 

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