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Los geht's ...

Das Tagebuch der Atlantik-Überquerung von Henry Adams und Tim Fosh
 

24 Sep 2007 13:16,

Lagos Marina Beginne bei Position 37° 6‘39.43"N, 8°40‘27.03"W, Lagos Marina. Plan vorerst: Ab Lagos, vielleicht am 16. Oktober, 450 Meilen zur Madeira Gruppe. Dann zu den Kanaren via Selvagem Inseln (300 Meilen weiter), dann die Atlantik Vorbereitungen, um am 25. November ins tiefe Wasser vorzudringen. Außerdem werde ich am 11. Oktober "Yachtmaster" sein, hoffentlich...
 

10 Oct 2007 22:04,

Lagos Marina Endlich online per teurem Marina WiFi und Stromleitung ins Boot, also alles aufladen. Bin auch vorbereitet für die "Yachtmaster" Prüfung morgen. Alle Seekarten und den Reed’s Almanach von Rob und Julia von RuSailing geliehen und Pascal getroffen, der für die praktische Prüfung meine Crew macht. War auch einkaufen: Eine neue 110Ah Schiffsbatterie zu exorbitantem Preis und jede Menge Kleinkram, auch ein paar Teile, um endlich den Landstromanschluss hinzukriegen. Schnäppchen des Tages: ein Blatt gutes Sperrholz für mein neues Schapp.

17 Oct 2007 23:39

Weg ausLagos! Endlich fast fertig, um nach Porto Santo abzusegeln! Viele kleine Arbeiten erledigt, geht jetzt alles viel schneller, wo Foshy hier bei mir ist. Neue Klemmen am Mast, Spinddrainage, kardanisch aufgehängte Petroleumlampe, Schapp, Moskitonetz und Eichenverstärkungen am Großbaum. Die Yachtmaster-Prüfung ging ganz gut. Gut bestanden und hatte einen sonnigen Prüfungs-Segeltag auf die Portimao Reede und zurück bei leichtem Wind. Morgen früh setzen wir Segel, sobald wir aufgetankt sind. Es sollte vier bis fünf Tage dauern bei den angesagten leichten NE Winden. Freuen uns, endlich wieder zu segeln!

23 Oct 2007 16:35,

Porto Santo! Der kleine Dorfplatz in Porto Santo (Position: 33:03.531N, 16:20.146W) mit billigen Sandwiches. Wir sind gestern angekommen, nach vier Tagen mit angenehm leichten und warmen achterlichen Winden. Haben mit Vier-Stunden Nachtwachen experimentiert; das hat aber nicht gut funktioniert, und so gingen wir zurück auf drei Stunden Wache: drei Stunden frei, das geht gut. Haben den Lümmelbeschlag zerbrochen, deshalb die letzten Tage ohne Groß gesegelt, aber es ging trotzdem gut voran. 10 Minuten nach meiner letzten Morgenwache sah Foshy die spitzen Gipfel der Insel vor Folkebootkabine vor und nach Atlantiküberquerung uns. Schon erstaunlich, wenn nach vier Tagen, in denen man nichts gesehen hat, nicht mal irgendwelche Schiffe, plötzlich so eine Insel vor einem auftaucht. Obwohl die Navigation so einfach ist: "Goto", "Enter", fertig.
An Bord gab es meistens Pasta. Gespannt, wie es sein wird, wenn wir auf See endlich Brot backen können. Die Crew scheint hieran zu zweifeln, aber er wird es schon noch sehen! Porto Santo ist herrlich. Wir liegen in einer blitzsauberen Marina am Ende eines fünf Meilen langen goldenen Strandes mit kristallklarem Wasser und blauem Himmel. Da kann man den englischen Regen wirklich vermissen. Ach, wir bleiben noch ein paar Tage!
 

23 Oct 2007 16:35

Es spricht die Crew Wir haben beschlossen, abwechselnd Tagebuch zu führen, um Euch möglichst viel literarisches Talent, Spannung und Einzelheiten zu bieten, wobei für die ersten beiden ich, für das Letztere Henry zuständig ist. Wir baden hier im kostenlosen Internet, laden Musik herunter, trinken Coke aus Glasflaschen und essen Mega-Sandwiches. Eine willkommene Abwechslung von den gastronomischen Genüssen, die unser Kombüsensklave an Bord zutage fördert. Es waren nur vier Tage unter blauem Himmel und hellem Sonnenschein von Lagos hierher, und ich bin rot wie eine überreife Himbeere, vielleicht aufgrund eher symbolischer Anwendung von Sonnencreme! Die Überfahrt war ohne besondere Vorkommnisse nach dem ersten Tag, den wir brauchten, um unsere Seebeine wieder wachsen zu lassen. Henry schien es dabei schwerer zu haben als ich, hat doch sein Magen die Konstitution eines nassen Papierbeutels. Er lag fast 36 Stunden herum, fühlte sich müde und tat sich selbst leid. Ich gebe zu, dass selbst mein Stahlbetoneimer eines Magens etwas gelitten hat. Aber ich habe Henry nichts davon gesagt, um sein Jammern nicht noch anzufeuern. Ich werde auch nicht auf dem Bruch des Lümmelbeschlages herumreiten, weil ich ihn erst entdeckt habe und damit nicht angeben will. Aber ich gebe zu dass Henry, nachdem ich ihm das Problem aufzeigte, erfolgreich einen Plan erarbeitete, den meine Hilfsbereitschaft dann umsetzte. Das alte Wachsystem hat so gut funktioniert wie schon in der Biskaya, nachdem wir Henrys Idee von Vier-Stunden Wachen wieder aufgaben. Es hatte zur Folge, dass einer von uns acht Stunden machte, der andere nur vier. Es ist schwer, nach einer Vierstunden-Wache noch eine zweite ab vier Uhr früh hindurch wach zu bleiben, wie wir beide bewiesen haben, indem wir zufrieden unter sternenklarem Himmel schnarchten.
Henrys Auffassung von Wache gehen scheint übrigens zu sein, auf dem Rücken liegend träumerisch die Sterne zu betrachten und Konstellationen zu erkennen. Gelang es ihm, wurde er so aufgeregt, dass ich mich frage, wie er in der Freiwache überhaupt schlafen konnte. Ich genieße die Sonne sehr nach einem britischen Sommer im Büro, und ich versuche (zugegeben, wahrscheinlich vergeblich), Henrys Bräune aufzuholen, die er sich während dreier Monate im Mittelmeer besorgt hat. Dies führte gestern zu einer eindrucksvollen Rosigkeit meinerseits, nachdem ich zum ersten Mal auf unserer Fahrt etwas sparsamer mit Sonnencreme war.
 

26 Oct 2007 15:03,

Madeira Position: 32:38.955N, 16:54.541W Wir sind in Madeira! Und endlich regnet es mal! Sitzen in einem Eckcafe am Großen Platz und haben alle Erlaubnisscheine, um in den nächsten Tagen die Ilhas Desertas und Ilhas Selvagems zu besuchen. Liegen in der Quinta do Lorde Marina und haben ein Auto für zwei Tage gemietet. Hatten wunderschönes Segeln von Porto Santo hierher, noch mehr GROSSE Delfine, einige sogar gefilmt. Das Leben an Bord ist gut: Bier, Oliven und Cornichons im Cockpit, dazu ein paar Folgen von ‚Peep Show‘ (die Fernsehserie, kein nautisches Fernglasspielchen). Jetzt folgen wahrscheinlich wieder die abenteuerlichen Storys von Foshy, ich bin sicher, davon glaubt niemand auch nur ein Wort! Haa.

Ja, wir sind in Madeira, aber fast wären wir’s nicht: Mein wundersam begabter Skipper hatte geruht, nicht die Seekarten für die letzten dreißig Meilen zu unserer jetzigen Marina zu benutzen. Er setzte den Kurs ab zu einer Insel, die er sah und für Madeira hielt. Erst eine Stunde auf dem Kurs bemerkte er (nach einem dezenten Hinweis von der immer wachsamen Crew) eine viel größere, auffälligere Insel querab von uns, und daraufhin hatten wir ein paar Stunden wundervollen Segelns, begleitet von etlichen dinosauriergroßen Delfinen (die waren echt massiv!). Wir brauchten glatt zwei Stunden weniger zum Ziel als berechnet, und wir freuten uns, abends noch Zeit zu haben für ein paar Bierchen.

Henry fühlte die ganze Wucht des Alkohols nach 30 cl, und so wurde es ein eher ruhiger Abend. Wir waren um elf in der Koje, nachdem wir mit ein paar Norwegern geplaudert hatten, die in der Folge unseren Kabeladapter verloren, welchen wir auch nur vom Hafenpersonal geborgt hatten. Ich war für Absegeln ohne bescheid zu sagen und sehen, ob sie uns verfolgen würden, so wie sie es gestern wirklich getan hatten um uns hereinzuholen, als unser ausgeschaltetes Funkgerät nicht auf ihre Anrufe reagierte. Aber Henry scheint ein weit ehrenhafterer Mensch zu sein als ich. Wird das Gute über das Böse siegen?

Fortsetzung folgt. Vorerst nahmen wir Besitz von einem Chevrolet Matiz (unser Mietwagen) und genossen die Freiheit in Madeira für zwei Tage. Wir haben offenbar die Fähigkeiten der wunderbaren Maschine ganz entfesselt, als wir sie auf dem Weg in die Inselhauptstadt Funchal an seine Grenzen führten. Danach wollten wir es unbedingt Bergsteigen sehen, losgelassen in seinem natürlichen Habitat. So besorgten wir uns einen Passierschein zu den landschaftsbotanischen Gärten in der Inselmitte. Sehr schön, für so einen botanischen Garten, und die Aussicht über Funchal war toll. Aber nach einer halben Stunde oder so langweilten wir uns ein bisschen mit all den Pflanzen und erholten uns in einem guten altmodischen McDonalds. Wir hatten auch viel Spaß, als wir direkt an der Abbruchkante einer Klippe parkten (gerade unterhalb der zweithöchsten Steilküste der Welt). Wir starteten den Motor, um wegzufahren, nur Henry hatte vergessen, dass er den Gang dringelassen hatte… Generell fuhr Henry sehr gut, wenn er nicht in der falschen Richtung die Kreisverkehre befuhr. Schließlich fanden wir sogar einen Supermarkt mit Sonderangeboten für Bier und kauften unseren ersten echten Madeira.

Einen Abend waren wir zu Gast bei James Anderson, einem ehemaligen Armeeingenieur, der mit seiner Ketsch „Arc“ mit der ARC um die Welt schippert. Er lud uns auf ein Bier ein, und wir gingen erst morgens um drei, ziemlich groggy. Wir staunten nicht schlecht über all die Annehmlichkeiten an Bord: Ein Spülklo, fließendes heißes Wasser, ein Kühlschrank (kaltes Bier!) und ein Backofen, ganz von der Stehhöhe zu schweigen! Mein Skipper war offenbar glücklich, über Motoren zu fachsimpeln, während ich mich der Aufgabe widmete, ein Mammutcurry zu kochen, das alle sehr genossen. Wir kriegten sogar etwas echten Käse zu essen – episch!
Am Nachmittag verlassen wir die Marina und hoffen, das Personal bemerkt das Fehlen des Stromadapters nicht, den unsere norwegischen Bekannten verloren haben. Die nächsten Tage werden wir unter Segeln oder vor Anker sein.
 

01 Nov 2007 15:28,

Selvagem Grande Selvagem Grande (Position 30:08.420N, 15:52.252W) für einen Tag und eine Nacht. Foshy schnarcht gegenüber nach einem ermüdenden Pastaessen. Wir werden nachher wohl an Land schwimmen und uns die Insel ansehen, von der jeder Botaniker weiß: „Das Weltnaturerbe der Ilhas Selvagens besteht aus etwa 105 seltenen Pflanzen, von denen 11 sogar endemisch auf dieser Inselgruppe sind.“ Klingt fesselnd. Wind ist immer noch NE, abnehmend. Planen, morgen früh nach Las Palmas auf Gran Canaria zu segeln. 04 Nov 2007 17:37 Bemerkungen der Crew Die Crew quält ihr schlechtes Gewissen nach vier Tagen ohne Eintrag. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Erstens den Bösen Skipper, der immer über dem Computer saß und zweitens die generelle Apathie und Faulheit der Crew auf See. Wir sind also Montag zu den Ilhas Desertas gesegelt, die ihrem Namen Ehre machen, nur 15 Seemeilen oder so von Madeira. Abgesehen natürlich von zwei charmanten und hilfreichen Inselhüterinnen, deren Job darin besteht, sehr knappe Shorts zu tragen und Ziegenbabys zusammen zu treiben (keine Fragen hier, bitte – eine lange und sehr komplizierte Geschichte, die unsere Leser gewiss nicht glauben würden). Die besagten Inselhüterinnen waren besonders hilfreich dabei, Massen von Papier zu produzieren. Wir mussten unterschreiben, dass es nicht die Verantwortung der Inselverwaltung wäre, wenn wir von irgendeiner Klippe stürzen. Ich wurde gewarnt, nicht in meinen Deckschuhen zu wandern, da es aber die griffigsten Schuhe waren, die ich dabei hatte, zog Euer Held vor, wie üblich ein frohes Gesicht gegen alle Widrigkeiten aufzusetzen. Die Kletterei war sehr, sehr steil und hauptsächlich der Absicht des Skippers gewidmet, Fotos von unserem Ankerplatz für seine heimliche Freundin, Anne Hammick, Herausgeberin des Atlantic Islands Pilot Guide, zu machen. Der Böse Skipper scheint sich verpflichtet zu fühlen, alles zu tun, was Anne wünscht (und vieles, das sie nicht einmal ahnt), nur um ein Quentchen ihrer Gunst zu erhaschen. Dies schließt offenbar das Erklettern 500 Fuß hoher Klippen ein. Die Crew war nicht froh darüber und fühlte sich arglos missbraucht für des Skippers eitle Liebedienerei. Jedenfalls verließen wir diesen Schauplatz des nachmittäglichen Leidens der Crew am nächsten Morgen und fuhren zu den Ilhas Selvagems.
Nach den (wie ich, gezwungen zu dem hohen Ausblick, zugeben muss) eindrucksvollen Desertas waren die Selvagems etwas enttäuschend, besonders nach den Anpreisungen der Liebenden, des Bösen Skippers und Anne Hammock. Es war ein bisschen wie von Louis VI Bureau zu Ikea Sofatisch, ein echtes Downgrading. Dementsprechend machte sich die Crew dort nicht einmal die Mühe, das Boot zu verlassen und gab sich stattdessen der Aufgabe hin, zwei weitere fantastische Pasta-Gerichte herzurichten (besonders bemerkenswert bei dem anscheinend intensiven Verrottungswunsch eines jeden Stücks frischen Gemüses oder Obstes an Bord). Bald jedoch fand sich Euer knospender Held in einer Bar neben dem Liegeplatz in Las Palmas. Diesen hatten wir gewählt wegen des bescheidenen Preises (die Einrichtungen waren sogar sehr bescheiden), und wir entschieden und für eine temporäre Mitgliedschaft im lokalen Yachtclub, um dessen bessere Einrichtungen maximal zu nutzen, einschließlich Pool und Sauna und billiges Bier (1,75 Euro das Glas). Abgesehen davon ist die größte Neuigkeit, dass meine Rosigkeit (nach einigem Pellen) endlich braun wird (hurra).

12 Nov 2007 11:17,

Las Palmas In der vergangenen Woche wurde die Crew von dem Bösen Skipper in sengenden Temperaturen wie ein Sklave zur Arbeit getrieben, bei durchschnittlich über 30° täglich und bei gerade mal einem Glas oder zwei am Abend gegen seinen unstillbaren Durst. Und, weil man einen Mann an seiner Arbeit erkennt, hat der Sklave sich als meisterlicher Handwerker erwiesen, hat Windfahnen und andere wunderbar technische Ausrüstungen mit eigenen Händen und den unzureichenden Werkzeugen erschaffen, die der Böse Skipper ihm zur Verfügung stellte. Er hat gegen eine magische Liste von Arbeiten gekämpft, die immer länger wurde, je mehr erledigte Aufgaben er darauf ausstreichen konnte. Außer von Arbeit wurde die Crew von einer Reihe skandinavischer (und anderer) Yacht-Anhalter belästigt, die herumgehen und jedes Boot, das Crew benötigt um eine Passage über den Atlantik anhalten. Aber, bezeichnenderweise, nie wurde unser Held gefragt, und es ist offensichtlich (durch den gehetzten, fast ängstlichen Blick in ihren Augen), dass sie alle von der Unternehmung tief beeindruckt waren und fühlten, dass sie niemals der Crew der “Ariel” auch nur das Wasser würden reichen können. Im Gegenteil zu unbotmäßigen Erklärungen, die ich aufgeschnappt habe, ist dies nicht, weil wir nur ein kleines Boot haben, auf dem sie keinen Komfort oder auch nur Platz erwarten könnten. Es ist auch nicht weil all die anderen Boote mindestens dreimal so groß wie wir erscheinen. Wir mussten auch mit etlichen Leuten plaudern, die (durch verschlossene Türen) auf unseren Steg gelangten, ohne irgendeine Verbindung zu einem der Boote zu haben, und wir quittierten ihre Überraschung / Ungläubigkeit / Feindseligkeit mit einem Lächeln. Für die Uneingeweihten sollte ich wohl eine Übersetzungshilfe geben, um den typischen Wortwechsel verstehen zu können, der vom Schwimmsteg aus unserem Boot gewidmet wurde:

Hallo = Hallo, hör doch mal eben mit der Arbeit auf, deren schwierigsten Teil Du gerade tust, damit ich Dir meine ungebetene Konversation aufdrängen kann.

Hi = Meine angeborene englische Höflichkeit veranlasst mich, mitten in besagter Arbeit aufzuhören und Deine Erkundigungen zu beantworten. Allerdings ist mein Ziel, die Unterhaltung so kurz wie möglich zu machen, damit ich zurück an meine Arbeit und weg von Deiner Konversation komme, die, ehrlich gesagt, kaum aus mehr besteht als das, was ich heute schon x-mal gehört habe.

Segelt Ihr die ARC? = Wie könnt Ihr die ARC in DEM DING segeln? Wusste gar nicht, dass man da auch Dinghis reinlässt. Warum segelt Ihr keine hübsche 40+ft Yacht, wie jeder andere auch? Was stimmt bloß nicht mit Euch?

Ja, machen wir = Da oben ist die ARC Flagge, wir sind am Steg mit all den anderen. Ist das nicht offensichtlich? Und die ganze Fragerei und Deinen bedauernden Ton kannst Du Dir sparen.

Ganz schön kleines Boot = Im Ernst, was habt Ihr vor? Mich würdest Du nicht 1400 Meilen vom Land kriegen in dem kleinen Ding. Da bin ich doch lieber auf einer Yacht mit Einbaudiesel und Helikopter Landeplatz für Notfälle.

Ja, sie ist schon klein aber stabil und seetüchtig = Sieh mal, wir sind von England hierher gekommen, wir wissen verdammt gut, dass wir (bei weitem) das kleinste Boot in der Rallye sind, und dass Du das vielleicht seltsam findest. Aber wir haben offensichtlich genug Vertrauen in unser Boot und dass wir sicherheitsmässig ok sind und dass wir für drei Wochen oder so auf Komfort verzichten können. Das haben wir alles sechs Monate lang getestet, und jetzt Schluss damit.

Wird nicht sehr komfortabel = Nee, da kriegste mich trotzdem nicht drauf! So jung und stur und ignorant!

Alles in Ordnung, wir wissen schon, dass es nicht sehr komfortabel wird = Siehe oben, Gehirn jetzt im Leerlauf.

Was glaubt Ihr, wie lange Ihr braucht? = Du scheinst ein Jahr Studienpause zu haben, aber glaubst Du, Du schaffst das in einem Jahr?

Drei bis vier Wochen, hängt vom Wind ab = Ja, stimmt, aber wir werden kaum das langsamste Boot sein.

Na dann, viel Glück = Ihr werdet es brauchen.

Danke = Tschüss jetzt!

Das ist natürlich ein parodiesierter Dialog, denn wir freuen uns doch über jeden, der kommt, sie zeigen doch alle nur ein höfliches und Anteil nehmendes Interesse. Wie auch immer, frag in solchen Situationen immer besser den Bösen Skipper, sprich mit dem glatzköpfigen Braunen, nicht mit dem grimmigen Roten. Der Braune glaubt sowieso, er weiß es besser.

Was noch? Der wache Leser wird sich freuen zu erfahren, dass der böse Skipper von seiner geliebten Anne Hammick abserviert worden ist. Nach buchstäblich tonnenweise Emails hin und her und ebenso vielen unnötigen Seemeilen hat Anne offenbar beschlossen, keine Emails von Henry mehr zu beantworten. Ich vermute, sie hat von ihm alles bekommen, was sie wollte, und ignoriert ihn jetzt. Aber Henry glaubt immer noch daran, dass sie ihm ihren neu aufgelegten „Pilot of the Canary Islands“ schicken wird - oh Liebesblindheit.
Wir gingen gestern auch auf einen kleinen Spaßtrip die Küste runter nach Taliarte, auf dem die Welt umgekehrt und die Crew der Skipper wurde, für eine kurze Strecke, oh Schande! Sturmsegel wurden gesetzt, alle Reffs eingebunden, und das bei 1,5 Bft. Wir übten auch einige Mann-über-Bord-Manöver und hatten viel Spaß daran, einander aus dem Wasser zu bergen, während wir uns bewusstlos stellten. Die Crew (jetzt wieder Crew) hatte damit viel weniger Probleme als der Skipper. Dies ist freilich nur meinem überragenden Geschick und meiner Kraft zuzuschreiben und nicht etwa, wie dreist behauptet wurde, gewissen Gewichtsunterschieden. Nach soviel Mühen unter Segel und Motor gönnten wir uns am Abend ein gutes Abendessen auswärts und kamen am Morgen danach etwas später hoch als geplant.

Heute öffnete das ARC Büro, und wir konnten endlich einiges offizielles Zeugs einkaufen. Der Böse Skipper redet von irgendwelchen Seminaren, aber die Crew ist begeistert von den ARC Memorabilien. Heute gingen auch die Partys los, mit freien Getränken von der Art, die die Crew am liebsten mag.

Damit Ihr es nicht vergesst, oder etwa gar nicht wisst: Wir wollen mit unserer Unternehmung Spenden für eine wohltätige Organisation generieren. Wenn Ihr auf www.justgiving.com/timothyfosh guckt, dann findet Ihr etwas Information zum Samantha Dickson Trust und über dessen und unsere höheren Absichten. Was dort steht, habe auch ich geschrieben.


28. Nov. 2007 12:26

Dritter Tag auf See! Mittagsposition 24:19N, 19:38W. Endlich habe ich meine Seebeine wieder und kann etwas schreiben - im Cockpit, es ist ein wunderbarer Tag, blauer Himmel, flauschige Wölkchen, tiefblaues Wasser und ein leichter Wind. Hmmm wir machen etwas über vier Knoten SW. Werden also Mitte Januar Brasilien erreichen, wenn es so weitergeht, aber es gibt gute Chancen, dass der Wind am Freitag auffrischt und uns zum wahren Passatwind treibt, damit wir auf St. Lucia zuhalten können. Wir machen nicht viel, gewöhnen uns nur daran, auf See zu sein, versuchten, nicht daran zu denken, wie lang drei Wochen sind. Wir schlafen viel, essen zu unmöglichen Zeiten. Höhepunkt des Tages heute Nachmittag: Eine Eimerdusche für mich. Oh ja, das Leben hier draußen hat viel Adrenalin, und ich genieße es! Ich sollte etwas Strom sparen, damit Euch der Schiffsjunge wieder etwas mit seinem Witz unterhalten kann. Der echte Höhepunkt bisher war allerdings wirklich der erste Nachmittag: 200 Boote auf einmal am Start, laute Musik und ein toller Abschied. Und gleich ein neuer Rekord für „Ariel“, 12,5 Knoten im Surf von der Welle! Und die besten Delfine, die wir bisher gesehen haben; einige sprangen bis drei Meter aus den Rücken der großen Wellen. Vielleicht hat Foshy welche auf Video.


30 Nov 2007 13:37,

Fünfter Tag auf See - Update von der Crew Blasende Wale, Böen bis Stärke neun, Wetterleuchten, Beinahezusammenstöße mit anderen Schiffen, Wasserhosen, Atom-U-Boote, kaltes Bier - nichts von alledem haben wir erlebt oder genossen. Stattdessen informiert mich der Skipper gerade eben, dass die Aussicht von der Klo-Pütz unvergleichlich sei. Wette, die in den anderen Booten beneiden uns darum! Routine hat Einzug gehalten, und wir sind ziemlich glücklich dabei. So glücklich, wie man nur eben sein kann, wenn man nie länger als drei Stunden am Stück schläft. Wir hören uns beide Stück für Stück durch ein Harry Potter Hörbuch, und das lässt uns verschroben miteinander reden wie Hogwarts-Schüler; Harry Potter ist zur Zeit das Einzige, was wir von der Welt draußen hören. Wir haben sogar einmal geschafft, Scrabble zu spielen (gar nicht so einfach auf einem derart rollenden Boot) und etwas Karten, während dauernd mein kulinarischer Genius seinen höchsten Standard erfüllt. Hoffentlich kommen wir in ein paar Tagen aus diesen leichten Winden heraus und können endlich etwas schneller segeln, denn es wird auf Dauer etwas deprimierend, keinen Tag über 100 Meilen zu schaffen. Ich möchte doch Weihnachten irgendwo sein. Wen es interessiert: Mein Bart wächst zügig, und ich werde sicher wie ein Rhododendron Busch aussehen, wenn wir ankommen. Soviel für heute, da wir Batteriestrom für so Zeug wie Wetterbericht und Positionsmeldung sparen müssen.


01 Dec 2007 12:13

Position: 21:58N, 24:40W Endlich schöner kräftiger Wind! Soll allerdings morgen schon wieder einschlafen. Werden von einem geheimnisvollen deutschen Boot verfolgt. Die sind jetzt seit über 24 Stunden auf unseren Fersen... Alles bestens soweit!


04 Dec 2007 14:18

1000 Meilen geschafft! Position 19:27N, 30:58W So, jetzt haben wir also schon 1000 Meilen hinter uns, jetzt müssen wir uns wohl wirklich zu dieser Atlantikquerung bekennen: Zurück wäre schwierig. Wie hatten ein paar gute Etmale, was immer die Stimmung hebt, und ich rate mal, dass wir vielleicht schon in 15 Tagen oder so in Rodney Bay sein können; das ist ja gar nichts! Besonders nicht jetzt, wo wir schon den Adventskalender angefangen haben. Wir haben Henrys 1000 Meilen-Carepaket geöffnet (das 2000 Meilen Paket ist von meiner Mum und kommt später dran) und haben jede menge Leckerchen gefunden. Neben den vielen Süßigkeiten war da eine kleine Flasche Sekt, jede Menge Kekse und Küchlein und Rätselhefte (klasse, dann muss ich mich nicht so um Konversation emühen). Sehr aufregend waren die Mint Brause und der Adventskalender, die uns in Weihnachtsstimmung versetzen sollten. Genau das ist hier draußen etwas schwierig, nicht etwa wegen meines profanen Wesens sondern weil wir seit vier Tagen offiziell in den Tropen segeln, und das bei ziemlich unweihnachtlichen Temperaturen. Die nächsten Tage genossen wir etwas stärkeren Wind (bis Stärke sechs), und so knabbern wir an der 140 Meilen-pro-Tag Rekordmarke, und das nur unter dem doppelt gerefften Groß. Sollte uns auch beim Schleppangeln helfen, denn dafür braucht man hier angeblich um die sieben Knoten Speed. Obwohl so ein Grünschnabel würde ich dem doch schon jetzt gern widersprechen, denn gleich bei unserem ersten Versuch im Hochseefischen vor drei Tagen haben wir nach nur drei Minuten eine 12 Pfund Dorade gefangen, ohne auch nur die Leine ganz aufgefiert zu haben. Der Böse Skipper war ganz leutselig und prahlte, er würde seinen Durchschnitt von 4 Pfund Fisch pro Minute bestimmt halten. Seine Popularität schwand dann aber rasch, als er keinen weiteren Fisch hervorbrachte. Nur ein einziger Fliegender Fisch platschte letzte Nacht an Deck.


08 Dec 2007 13:30

Bergfest Nun, es scheint, wir haben die Hälfte geschafft! Jedenfalls nach unserer groben Schätzung. Noch ca. 1200 Meilen vor uns bei etwa 1500 im Kielwasser. Dreieinhalb Tage war es ziemlich nass bei recht starkem Wind, und wir sind leider doch eher langsam. Schließlich ist dann wie auf Wunsch (wenngleich mit etwas Verzögerung) die Sonne herausgekommen und blinzelt gelegentlich durch die Wolken. Eine solche Menge Wolken hatte der böse Skipper verschwiegen, als er mir die Fahrt als sonnige Kaffeefahrt verkaufte. Viel weniger war die Rede von der Möglichkeit dieser massiven Gewitterfronten, hinter denen wir uns bemühen, zurückzubleiben. Er hat zwar irgendwas von Regenschauern gesagt, und davon besuchen uns reichlich. Aber wir sind darauf vorbereitet. Wir pöttern lieber langsam hinterher, in vergleichsweise leichtem Wind, ohne je die Pinne oder die Segel anfassen zu müssen. Ehrlich gesagt, passiert bei uns nicht viel, wir werden nass, schlafen, stehen auf, werden wieder nass, zwischendurch essen wir hin und wieder und hören uns Hörbücher an. Mit den Tagesetmalen sind wir hochzufrieden, deshalb ist unsere Stimmung sehr gut, immer bis wir in die feuchte Koje kriechen. Gerade eben ist Henry in Boxershorts auf Wache von einem Regenguss überrascht worden, während ich trocken und gemütlich in der Koje liege und dies schreibe. Also werde ich mir in meiner Güte doch das Ölzeug anziehen und ihn mal ablösen.

Bis bald! (Übersetzung: Michael Hundrup)

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